Nach Jahren wieder in Lohn und Brot

Sie waren jahrelang arbeitslos, lebten von Hartz IV und hatten fast schon resigniert, sagen sie. Der freie Arbeitsmarkt gab einfach nichts für sie her. Doch jetzt starten Marco Kock (43), Stefan Prehn (56) und Frank Schwechel (60) neu durch.

Schwentinental. Gemeinsam mit zwei weiteren Langzeitarbeitslosen sind sie seit dem 1. Juni wieder in Lohn und Brot. Möglich macht es das neue Teilhabechancengesetz, das zu Jahresbeginn in Kraft trat. Es geht dabei um einen Wiedereinstieg ins Arbeitsleben, um sozialversicherungspflichtige Beschäftigung für Langzeitarbeitslose. Das Jobcenter Plön will damit in diesem Jahr 47 Menschen im Kreis wieder in Arbeit bringen – und wirbt mit einem Lohnkostenzuschuss um Arbeitgeber, die das ermöglichen wollen. Ganz vorne mit dabei ist die Stadt Schwentinental.


Foto mit Begleittext

 
Bild: Gruppenbild.
Thomas Nebendahl, Bauhof-Chef der Stadt Schwentinental, hat mit den ehemaligen Langzeitarbeitslosen Frank Schwechel, Stefan Prehn und Marco Kock (von links) drei neue Kollegen an seiner Seite.
Foto: Sibylle Haberstrumpf, KN
 


In Vollzeit und tariflich eingruppiert

Bürgermeister Michael Stremlau hat hier fünf Langzeitarbeitslose fest angestellt, drei sind über 55. Jetzt arbeiten sie in Vollzeit, tariflich eingruppiert in den Öffentlichen Dienst. Stremlau will ihnen eine Perspektive bieten. "Echte Arbeit ist durch nichts zu ersetzen", unterstreicht er und fügt an: "Das ist eine wichtige gesamtgesellschaftliche Aufgabe, da müssen die Kommunen vorangehen." Fünf Jahre soll die Maßnahme in Schwentinental laufen. "Unser Ziel ist es aber, alle auch darüber hinaus zu behalten", so der Bürgermeister. Ulrich Nebendahl, Schwentinentaler Bauhof-Chef, beschreibt seine "Neuen" als engagiert und pünktlich.


Neue Chance auf dem Bauhof

Marco Kock aus Preetz hat viele Gelegenheitsjobs hinter sich, 2012 erkrankte er an Multipler Sklerose, war seitdem arbeitslos. Jetzt die neue Chance am Bauhof. Motiviert haut sich der 43-Jährige in die Grünpflege. "Ich hatte auch schon Jobs im Wildpark und auf dem Friedhof, das macht mir Spaß", erzählt er. Der Mönkeberger Stefan Prehn ist gelernter Zimmermann, bekam seit 2001 aber nur kurzzeitige Jobs. Für eine Fachkraft wie ihn frustrierend. Ebenso wie für Frank Schwechel aus Preetz. Der 60-Jährige ist jetzt Hausmeister im Schwentinentaler Rathaus. Vorher lenkte er Laster, gelernt hat er mal Glaser. Neun Jahre war er arbeitslos, trotz regelmäßiger Bewerbungen. "Ich hatte mich damit schon abgefunden", sagt er. Im Rathaus ist er jetzt "Mädchen für alles", schiebt auch mal Möbel durch die Räume – das aber liebend gern. "Besser als die Paletten auf meinen Lkws, die waren 1000 Kilo schwer", erzählt er. Er fühlt sich wohl. "Die Kollegen sind nett und hilfsbereit."


Begleitendes Coaching und Weiterbildung

Auch in ihre Weiterbildung soll investiert werden. Das Jobcenter bietet dafür bis zu 3000 Euro. Das neue Programm beinhaltet auch ein begleitendes Coaching - Probleme und Konflikte bei der Arbeit sollen dabei besprochen werden. Fulko Wedemeier vom Plöner Jobcenter hebt hervor: "Jeder gibt ja auch etwas zurück, indem er Rentenversicherung und Steuern bezahlt. Das kommt allen zugute." Insgesamt gibt es aktuell rund 2500 Arbeitslose im Kreis, eine Quote von 3,9 Prozent, sagt Thomas Bohse vom Jobcenter Kiel. Eine der niedrigsten im Land. "Trotzdem brauchen wir solche Programme", ist er überzeugt. Infos und Beratung für Arbeitgeber, die Langzeitarbeitslosen im Kreis Plön eine Chance auf einen neuen Berufsstart geben wollen, bietet Fulko Wedemeier unter (04522) 7646103 an.


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